Sozialtafel für Tiere

Tierschutz/Sozialhilfe


In fertig abgepackten Paketen werden die Nahrungsrationen auf der Heiligenstädter Straße im neunzehnten Wiener Gemeindebezirk verteilt. Die meisten Leute würden jedoch dieses verschmähen und nicht essen wollen, der Inhalt ist nämlich Tierfutter. Das Programm richtet sich nämlich an HaustierbesitzerInnen in finanzieller Notlage oder schwierigen Situationen.

Die Futterbox ist ein 2013 gegründeter gemeinnütziger Verein mit mittlerweile drei Ausgabestellen. Außer in Wien, wo wegen der größten Nachfrage auch die größte Ausgabestelle ist, gibt es nämlich noch in Graz und in St. Pölten, wo auch der Vereinssitz ist, eine solche Einrichtung.

 

Aber nicht nur Futter wird hier verteilt, auch Zubehör für eine richtige Haltung, und außerdem sind stets AnsprechpartnerInnen der Futterbox da, die ihr Fachwissen gerne teilen und beraten.


Grundsätzlich kann jede/r hier kostenfrei Tierartikel erhalten, allerdings müssen gewisse Anforderungen erfüllt werden, wie zum Beispiel ein vorgelegter Lichtbildausweis, tierärztliche Unterlagen des Tieres und aktuelle Einkommensnachweise. Außerdem können nur 4 Tiere pro Haushalt unterstützt werden.

Die genauen Kriterien sind hier zu finden: http://www.futterbox.org/wp-content/uploads/2016/01/Anspruchskriterien.pdf

 

 

Das Tier muss übrigens schon vor dem „Abstieg“ in die finanziell kritische Lage angeschafft worden sein.


>>Es gibt Einkommensobergrenzen, dabei orientieren wir uns an den Sozialmärkten.  Und es geht uns auch um das Tierwohl, das heißt eine Voraussetzung ist auch, dass regelmäßig Kontrollen beim Tierarzt stattfinden, die teilweise von uns mitfinanziert werden. Da müssen einfach regelmäßig die entsprechenden Nachweise vorgelegt werden.<<

Roland Brandtner, Mitgründer Futterbox Österreich



Ich war ehrlich überrascht, wie viele Leute schon vor halb zehn, wo die Ausgabe beginnen würde, da waren. Da die Leute aus allen Teilen Wiens anfahren, habe ich eher damit gerechnet, dass sie nach und nach eintreffen.

 

Es war aber bereits das halbe Lokal voll. Die Stimmung unter den Kunden war ziemlich gut, hier hat man Menschen in ähnlichen Situationen und andere Hunde- oder KatzenbesitzerInnen, mit denen man sich unterhalten oder lachen kann.

Gefilmt werden wollte keiner so richtig, was ich total nachvollziehen kann, deswegen sind auf den Videos und Bildern die Gesichter unkenntlich gemacht. Eine ältere Dame hingegen war bereit, mir ein paar Fragen zu beantworten, sie sagt sie würde sich ohne die Futterbox sehr schwer tun.

 

Und es waren auch wirklich viele ältere Menschen da, die meisten hatten, soweit ich die Futterpakete sehen konnte, mehrere Katzen. Aber es waren auch einige jüngere Leute dort, eine Dame kam sogar mit Kinderwagen und Kind.

Auch das Verhältnis zu den HelferInnen ist sehr freundschaftlich, die meisten KundInnen kennen die HelferInnen der Futterbox bereits, und Neulinge werden sofort akzeptiert und respektiert.

 

Ich komme da spontan mit teurer Kameraausrüstung hinein, und alle lächeln mir zu und fragen nach, wofür das denn sei, und wo sie sich meine Reportage anschauen können.

>>[...]Gleichzeitig sind ja Haustiere gerade auch für ältere Menschen, die zum Beispiel nur eine Mindestpension bekommen, eine ganz wichtige Stütze. Auch oft einer der letzten wichtigsten Sozialpartner, den ältere Menschen haben.<<

 

Roland Brandtner


Nach diesem Tag weiß ich, dass es Menschen in meiner unmittelbaren Umgebung gibt, die wegen ein paar Dosen Tiernahrung alle drei Wochen zur Futterbox fahren.

Und ich muss sagen, die Futterbox ist ein fantastischer Verein, die HelferInnen sowie auch die Gründer sind unglaublich freundliche und gute Menschen, die es absolut zu unterstützen gilt, damit die Leute ihre oft letzte Stütze, die ihnen Kraft und Mut gibt, nicht abgeben müssen: ihr Tier.



Text, Fotos, Filmaufnahmen, Layout und Schnitt von Vallipps

21. 5. 2017

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