Die Eulen- und Greifvogelstation

Mit dem Auto eine knappe Stunde von Wien entfernt befindet sich die Eulen- und Greifvogelstation Haringsee. Hier kümmern sich Hans und Sigrid Frey und ihr Sohn Simon sowie drei weitere Tierpfleger um Wildtiere aus der Umgebung.

Das Besondere an der Station ist allerdings, dass hier verletzte Greifvögel und Eulen untergebracht und gesund gepflegt werden, und dauerhaft beeinträchtigte Tiere für die Nachzucht seltener Arten oder zum Ausbrüten von gefundenen Eiern beziehungsweise der Aufzucht von Küken verwendet werden.


Schon während seiner Arbeit als Arzt auf der veterinärmedizinischen Universität in Wien hatte Dr. Frey hauptsächlich mit Wildtieren zu tun und erstand damals das günstige Gelände. Damals wurde es hauptsächlich als Forschungseinrichtung verwendet, nach Hans Freys Pensionierung 2010 ist es aber eine Anlaufstelle für Wildtiere und kooperiert mit vielen anderen ähnlichen Stationen in ganz Österreich sowie der VetMed Wien.

Der Teil der Station, wo verletze Wildtiere versorgt und aufgepäppelt werden, wird außerdem von Vier Pfoten unterstützt. Auf knapp 12.000 Quadratmetern gibt es heute viele verschiedene Volieren, die quer über das Anwesen verstreut sind.


>>Hauptsächlich kommen die Vögel zu uns wegen Verletzungen, weil sie im Straßenverkehr verletzt werden, zum Beispiel durch Autokollisionen oder durch Kollisionen mit Stromleitungen. Manchmal auch mit Windrädern.<<

 

 

Stefan Knöpfer, Tierpfleger

 


>>Die Aufgabe ist weiterhin, Wildtiere zu übernehmen, zu pflegen und nach Möglichkeit wieder der Natur zurückzugeben. Ein zweiter Schwerpunkt betrifft natürlich Tiere, die invalid sind, die nicht mehr ausgeheilt werden konnten; da versuchen wir, sie zumindest sinnvoll einzusetzen für Zuchtprogramme, weil es um seltene Arten geht, oder als Ammenvögel. Wir kriegen sehr viele Jungtiere, und da ist es eben wichtig, Ammenvögel zu haben, damit man die Handaufzucht vermeidet.<<

 

Dr. Hans Frey, Gründer der Station


Von uns allen bekannten Greifvögeln wie Bussarden, Falken, Habichten und Milanen bis zu seltenen und größeren Vögeln wie Stein- und Seeadlern sowie Bartgeiern wird alles hier versorgt, da es kaum Stationen mit ähnlichen Kapazitäten in der Umgebung gibt. Käuze, viele Waldohreulen und sogar Uhus werden eingeliefert, viele davon auch aus Wien. Auch Elstern, Spechte, Möwen und Enten sind hier untergebracht.

Die größte Herausforderung für die Pfleger sind allerdings fehlgeprägte Vögel. Diese wurden von Menschenhand aufgezogen und sehen sich dadurch als Mensch, kommen also nicht mit richtigen Artgenossen klar. (Auch bei meiner Reportage über das Papageienheim habe ich fehlgeprägte Tiere kennengelernt.) Die Tiere sind also zutraulich zu der Ersatzmutter, ab einem bestimmten Alter, meist nach der Geschlechtsreife, werden sie aber aggressiv auf andere Menschen und attackieren diese vorsätzlich.


So ein Vogel kann natürlich nicht mehr freigelassen werden und verbüßt dann sein restliches Leben in Gefangenschaft. Schuld sind aber natürlich die Menschen, die ihn aufziehen. Oft werden zutrauliche Greifvögel für beliebte Vogelflugshows verwendet, nachdem sie sich aber gegenüber Menschen abregen, können sie nicht mehr verwendet werden, da sie dann natürlich auch potenzielle Gefahren darstellen.

Wo diese ganzen Vögel dann hinkommen, ist schwer nachzuverfolgen, fest steht aber, dass Fehlprägung früher oder später weder für den Vogel noch den Menschen angenehm ist. Und zu viele Vögel verbringen ihr klägliches Leben in Volieren in der Station, nur weil jemand den Vogel von Hand aufgezogen hat, bei Greifvögeln können das auch einmal bis zu 40 oder 50 Jahre werden.


Um Fehlprägungen zu vermeiden, wird dafür gesorgt, dass es stets genug „Ammenvögel“ auf der Station gibt. Dauerpatienten, die nicht mehr ausgewildert werden können, sorgen für gefundenes Gelege und ziehen die Küken groß. So sind die Eltern „beschäftigt“ und der Bestand kann weiter aufgebessert werden, außerdem muss man nicht noch mehr fehlgeprägte Arten in die Welt setzen.



>>Wir Menschen richten doch sehr viel an in der Natur und bringen immer wieder Tiere zu Schaden; Eulen und Greifvögel werden auch sehr oft verfolgt, da ist es schon eine gewisse Verpflichtung, die ich da verspüre, ihnen zu helfen und da einzugreifen, um etwas positiv zu verändern.<<

 

Mag. Sigrid Frey-Kubka, Geschäftsleitung

 


>>Ich mache das, weil ich mich sehr für Tiere interessiere. Der schönste Teil der Arbeit ist meines Erachtens die Arbeit mit den kleineren Tieren, die einfach noch jünger sind, wie zum Beispiel frisch geschlüpfte Bartgeier.<<

 

Simon Frey, Sohn

 


Nach meinem Besuch in Haringsee war ich sehr beeindruckt, wie sehr sich die TierpflegerInnen für die Vögel einsetzen, und was für eine wichtige Arbeit sie verrichten. Die Einrichtung ist sehr zu unterstützen, hier bietet man Vögeln einerseits einen Ort zur Rehabilitation, aber auch anderen Vögeln, die nicht mehr ausgesetzt werden können, einen Ort, wo sie ihr restliches Leben verbringen können. Es ist absolut zu empfehlen, dort an einer Führung teilzunehmen und sich selbst einen Eindruck zu verschaffen und eine Spende zu geben, damit noch viele Wildtiere dort versorgt werden können.


Fotos, Film und Text von Volleipps.at

9.8. 2017


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Website: http://www.eulen-greifvogelstation.at

 

E-Mail: office@eulen-greifvogelstation.at

 

Telefon: +43 2214/480 50



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